Titelbild

Dolomiten / Civetta-Gruppe

Civetta 3.220 m

Alleghesi rauf, Tissi runter – Civetta-Überschreitung mit dem Pelmo als Nachbar

Über Almwiesen an den Wandfuß, durch die Ferrata degli Alleghesi auf den Gipfel und über die Ferrata Tissi zurück ins Tal.

Streckenverlauf18,08 km · 2.078 hm · 1.402–3.220 m

LogbucheintragSternzeit 10. Juli 2026★ 26520.5

Die Civetta trägt eine der berühmtesten Wände der Dolomiten, die große Nordwestwand über Alleghe. Zu sehen war an diesem Tag lange wenig: Der Vormittag steckte im Hochnebel, erst weit oben hat es aufgerissen. Gegenüber stand der Pelmo Wache wie ein steinerner Thron.

1.803 mkm 2,5

Aufbruch

Wunderschöne Almwiese

Wunderschöne Almwiese

Der Weg zieht über die Almwiese, am Horizont stehen die ersten Zacken im Dunst. Der ebene Boden hier ist Aufschüttung: Muren-, Wildbach- und Lawinenschutt aus der durch Wassererosion entstandenen steilen und tiefen Rinne der Nordflanke, im Lauf des Holozäns (der Zeit seit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 11.700 Jahren) übereinandergelegt und längst überwachsen.

1.822 mkm 2,7

Zustieg

Unbeeindruckt

Unbeeindruckt

An der Hütte steht ein Esel und frisst. Unbeeindruckt von den vorbeigehenden Wanderern.

1.837 mkm 2,8

Zustieg

Der Pelmo

Der Pelmo

Der Klotz gegenüber ist der Monte Pelmo, gute sechs Kilometer nach Ostnordosten. Zu erkennen ist er an seiner Asymmetrie: links ein gezackter Kamm mit einer einzelnen turmartigen Zacke daneben, rechts eine hohe, kaum gegliederte Wandflucht, die gerade in der Wolke steckt. Der lokale Beiname für den Pelmo ist „Thron Gottes".

2.135 mkm 4,1

Erster Fels

Zerlegt in Türme

Zerlegt in Türme

Zum ersten Mal steht richtiger Fels an, und er ist anders gebaut als das, wofür die Dolomiten berühmt sind: keine durchgehenden waagrechten Fugen, sondern ein dichtes Netz fast senkrechter Klüfte, welche die Wand in schlanke Türme und Zacken zerlegt. Das ist Cassianer Dolomit, ein dolomitisiertes Riff — ohne ebene Schichtflächen, an denen es in Bänken abwittern könnte. Der Monte Coldai gleich nebenan ist eine der Schlüssellokalitäten für dieses Gestein: Von dieser alten Hochzone aus sind die Cassianer Plattformen gewachsen.

2.301 mkm 5,7

Wandfuß

Die letzte Wiese

Die letzte Wiese

Rechts steht eine Wand mit durchlaufenden, dünnen Parallelbänken — mit den Türmen von vorhin hat das nichts mehr zu tun. Das dürfte noch Hauptdolomit sein: Nach der Note zum zuständigen Kartenblatt ist er am Civetta rund 500 Meter mächtig, und die Cassianer Türme von vorhin enden erst auf 2.135 m — die Grauen Kalke wären auf 2.300 m tatsächlich reichlich früh dran. Im Rasen liegen kantige, weiß verwitterte Blöcke aus genau dieser Wand.

2.303 mkm 5,8

Wandfuß

Der Grasbuckel

Der Grasbuckel

Der nächste Kopf ist bis knapp unter die Spitze begrünt, nur der oberste Fels steht frei heraus.

2.308 mkm 5,9

Wandfuß

Wo das Wasser rinnt

Wo das Wasser rinnt

Ein feuchter Streifen quer über den hellen Fels, und sofort sitzen Moospolster darauf. Wo das Wasser regelmäßig läuft, ist der Stein rostbraun überzogen. Erstaunlich, was so eine Sickerstelle mitten im Schutt an Leben trägt.

2.364 mkm 7,2

Alleghesi

Restschnee

Restschnee

Hier setzt die Ferrata degli Alleghesi an. Der Gipfel steckt weit oben im Grau.

2.646 mkm 7,7

Alleghesi

Zwischen den Nadeln

Zwischen den Nadeln

Nadeln und Pfeiler, sauber voneinander getrennt durch steile, ebene Kluftflächen. Woraus sie im Einzelnen bestehen, lässt sich am Foto nicht sicher sagen — aber die Höhe spricht für eine Kontaktzone: Rechnerisch läge der Übergang vom Hauptdolomit zu den Grauen Kalken hier bei rund 2.665 m, und die Station steht nur 19 Höhenmeter darunter. Dazu kommt ladinisch-karnischer Riffdolomit in unmittelbarer Nähe. Die schwache, nicht durchlaufende Bankung passt gut zu einer solchen Übergangszone.

2.686 mkm 7,9

Alleghesi

Ein Loch im Nebel

Ein Loch im Nebel

Über den Zacken steht die Sonne nur mehr als heller Fleck im Hochnebel. Für ein paar Minuten reißt es auf — genug für die Hoffnung, dass vom Gipfel überhaupt etwas zu sehen sein wird.

2.718 mkm 7,9

Alleghesi

Auf der Alleghesi

Auf der Alleghesi

Blick zurück bis ins Kar, wo noch Schneereste zwischen dem Schutt liegen.

2.877 mkm 8,3

Kar

Aufgeschlagenes Buch

Aufgeschlagenes Buch

Die Wand über dem Kar liegt da wie ein aufgeschlagenes Buch: Bank auf Bank, jede zwei bis drei Handbreit dick, die Schichtfugen eben und parallel durchlaufend. Was unten am Wandfuß offengeblieben ist, entscheidet sich hier: Das sind die Grauen Kalke, die den Gipfelaufbau der Civetta kappen — der Hauptdolomit darunter ist dickbankiger und wittert rundlicher zurück. Rechts oben im Bild bin ich kurz von der Via Ferrata abgewichen und habe über Kletterstellen im zweiten Schwierigkeitsgrad versucht, die Punta Civetta (2.920 m) mitzunehmen — an einer letzten, rund drei Meter hohen und ringsum ausgesetzten Stelle habe ich keinen Abklettergriff gefunden, der gepasst hätte. Lieber nichts riskieren. Weiter an der Via Ferrata.

2.903 mkm 8,7

Gipfelblick

Weitblick

Weitblick

Nach Nordwesten steht Kette hinter Kette: die Marmolada mit ihrer Südwand, dahinter die Zacken der Langkofelgruppe, rechts die Sella. Nach dem Hochnebel des Vormittags hatte ich damit nicht unbedingt gerechnet. Die Freude ist umso größer.

3.038 mkm 9,1

Gipfelblick

Tiefblick

Tiefblick

Über die Kante ein Blick über die „Mauer der Mauern", wie die Nordwestwand der Civetta gerne genannt wird. Über 3 km breit und ca. 1.100 m hoch.

3.195 mkm 9,6

Gipfelnähe

Fahnenwolke

Fahnenwolke

Eine Fahnenwolke hinter einem Turm, fünfundzwanzig Höhenmeter unter dem Gipfel. Die Fahne an seiner Kante entsteht laufend neu und reißt wieder ab: Feuchte Luft steigt am Grat auf und kondensiert, sinkt dahinter wieder ab und löst sich auf der Stelle auf.

3.201 mkm 9,7

Gipfel

Am Gipfel der Civetta

Am Gipfel der Civetta

3.220 m, höchster Punkt der Tour. Leider heute nicht alleine am Gipfel.

2.919 mkm 10,6

Tissi-Abstieg

Firnfeld

Firnfeld

Dreihundert Höhenmeter unter dem Gipfel quert die Ferrata Tissi wieder ein Altschneefeld, flach abgeschmolzen, mit den Schmelzrinnen dieses Sommers. Die Spur verrät den weiteren Weg.

2.844 mkm 11,0

Tissi-Abstieg

Nur das Seil

Nur das Seil

Kurz darauf ist von der Sicht nichts mehr übrig. Ein schmaler Grat, ein Schuttband als Steig — die Tissi.

2.474 mkm 12,6

Tissi-Abstieg

Die Rinne

Die Rinne

Gut siebenhundert Höhenmeter unter dem Gipfel öffnet sich die Rinne. An beiden Rinnenwänden ziehen rostbraune Streifen senkrecht herunter, wo das Wasser immer dieselbe Bahn nimmt und Eisenoxid ausscheidet.

2.159 mkm 13,5

Tissi-Abstieg

Almrausch

Almrausch

Der Fels wird grüner, dazwischen steht der Almrausch in voller Blüte. Die hellen, durchgehenden Bänder links im Hang sind kein Schutt, sondern anstehender Fels: über mehrere Stufen wassergeschliffene Bänke, erkennbar an den Kanten, die sauber durch den ganzen Hang durchlaufen. Der Höhe nach ist Hauptdolomit das Wahrscheinlichste.

1.915 mkm 14,3

Rückweg

Der Pelmo noch einmal

Der Pelmo noch einmal

Aus dem Lärchenwald heraus steht der Pelmo noch einmal frei da. Egal, wie oft man hinsieht — beeindruckend!

Ende des Logbucheintrags

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