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Dolomiten / Pala-Gruppe

Vezzana 3.192 m

Über die Ferrata Bolver-Lugli auf den höchsten Punkt der Pala-Gruppe

Von Passo Rolle über die Wege 710 und 712 zur Ferrata Bolver-Lugli, über das Hochplateau der Pale di San Martino zum Gipfel und über den Passo Bettega zurück.

Streckenverlauf16,69 km · 1.770 hm · 1.911–3.192 m

LogbucheintragSternzeit 15. Juli 2026★ 26534.2

Der höchste Punkt der Pala-Gruppe ist selbst ein eher stiller Gipfel — die eigentliche Geschichte dieser Runde schreibt der Weg dorthin: eine Ferrata mit Aussicht, das ganz neue Bivacco Fiamme Gialle mit Hubschrauberlandeplatz auf der größten Hochkarstfläche der Dolomiten und, mittendrin, ein ganzes Stück fossiler Meeresboden aus der Untertrias.

Rauf geht's von Passo Rolle über die Wege 710 und 712 zur Ferrata Bolver-Lugli, quer durchs Hochplateau der Pale di San Martino zur Cima della Vezzana, 3.192 m — und runter über Weg 716 und den Passo Bettega, zurück zum Ausgangspunkt. Die Bilder stehen in der Reihenfolge, in der sie entstanden sind, von der Edelweiß-Wiese am Morgen bis zum Hagel am späten Nachmittag. Dort hört die Bildstrecke auf. Der Rest des Abstiegs ging bei Gewitter und Dauerregen über einen gesperrten Steig, mit einem Handy, welches sich nicht mehr bedienen ließ — mehr dazu dann später ganz unten.

1.922 mkm 0,1

Aufbruch

Unmengen Edelweiß

Unmengen Edelweiß

Keine hundert Meter nach dem Auto, gleich am Einstieg zu Weg 710, steht die Wiese voller Edelweiß — nicht eines zum Suchen, sondern Hunderte. Der weiße Stern besteht nicht aus Blütenblättern, sondern aus filzigen Hochblättern, welche Verdunstung und UV bremsen.

1.937 mkm 0,2

Aufbruch

Hochkant

Hochkant

Hundert Meter weiter steht der Fels schon quer: helle, dünne Platten, fast senkrecht aufgerichtet, die parallel zur Schichtung in aufrechte Lamellen zerfallen. Dass das die Bankung ist und keine Klüftung, sieht man daran, dass die Flächen durchgehend über den ganzen Rücken laufen und die weicheren Zwischenlagen gleichmäßig tiefer zurückgewittert sind — Klüfte würden das Gestein queren, nicht mitlaufen. Kartiert ist hier die Bellerophon-Formation, oberstes Perm und damit das Älteste, was die Tour zu bieten hat.

1.922 mkm 0,5

Aufbruch

Grün bis hierher

Grün bis hierher

Der Steig zieht durch die Wiese auf den Lärchengürtel zu, dahinter baut sich auf, was mich den ganzen Vormittag beschäftigt. Die Grenze zwischen Grün und Fels ist dabei keine Höhenlinie, sondern eine Gesteinsgrenze: unten die weichen, verwitterungsfreudigen Lagen, die Boden halten und in denen die rotbraunen Bänder durchschauen, darüber die graue Steilwand.

2.019 mkm 1,3

Weg 710

Latschenhang

Latschenhang

Der Weg quert den Latschenhang in ruhiger Steigung, breit und gut ausgetreten — die Sorte Abschnitt, auf der man ins Land schauen kann statt auf die Füße.

2.030 mkm 1,6

Weg 710

Es wird bunter

Es wird bunter

In der Rinne links vom Weg kommt die erste Farbe heraus: eine rötlich-braune, dünn geschichtete Partie unter den hellen Blöcken. Der Punkt selbst ist noch als Hangschutt kartiert — was da rot durchschaut, gehört zur Werfen-Formation, die unter der ganzen Grasdecke durchläuft und nur dort ans Licht kommt, wo eine Rinne sie aufgeschnitten hat. Die Größensortierung sagt dasselbe: das helle Karbonat aus der Wand darüber bricht in Blöcken bis Autogröße, das rote Material zerfällt zu plattigem Kleinzeug.

2.046 mkm 1,8

Weg 710

Eine Mikrowelt

Eine Mikrowelt

Ein alter Wurzelstock am Wegrand, vom Wetter blank geschliffen, dazwischen ein Moospolster und ein paar kleine Zwergsträucher. Faszinierend diese Mikrowelten, wenn man sich die Zeit nimmt genauer hinzusehen.

2.071 mkm 2,1

Rotes Band

Murmeltierparadies

Murmeltierparadies

Ein Stück höher steht das Rot als richtige Wand: dünne rotbraune Bänke im Wechsel mit helleren Lagen, darunter eine steile, völlig unbewachsene Böschung aus feinem rotem Material. Dort sitzen die Murmeltierbaue, das verrieten die lauten Pfiffe. Den Murmeltieren reicht hier ein Kriterium: hier lässt sich graben, im hellen Karbonat daneben nicht.

2.082 mkm 2,2

Rotes Band

Blöcke, die nicht hierher gehören

Blöcke, die nicht hierher gehören

Im Rinnenbett liegen helle massige Blöcke. Zum rotbraunen Feinmaterial der Böschung rechts daneben passen sie nicht — das würde in dieser Größe nie zusammenhalten. Sie stammen von den grauen Türmen ganz hinten und haben den halben Hang hinter sich. Auf halber Höhe liegt die Abfolge offen da, um die es hier geht: rostrote, gelbliche und graue Lagen im Wechsel, und erst darüber setzt das massige Grau an, welches die Wände baut.

2.084 mkm 2,2

Rotes Band

Wellenrippel

Wellenrippel

Eine Platte im Schutt, über die ganze Fläche laufen flache, parallele Wellen. Das sind Wellenrippel, und der Punkt ist, dass sie flach auf der Schichtfläche selbst liegen und nicht als Relief an einer Bruchkante stehen — so unterscheidet man eine erhaltene Sedimentoberfläche von einer Verwitterungsform, die sich am Bruch entlangarbeitet. Ob Wellen- oder Strömungsrippel, entscheidet die Form der Kämme: symmetrisch bei Wellengang, asymmetrisch mit steiler Leeseite bei gerichteter Strömung.

2.116 mkm 2,4

Rote Schichten

Ein kleiner Aufschluss

Ein kleiner Aufschluss

Ein paar Schritte weiter liegt die Rippelung nicht mehr als Einzelstück im Schutt: der Steig geht neben einer ganzen Platte davon, die Kämme laufen quer über die Fläche und über die Fugen hinweg weiter. Was da in der Wiese steckt, ist eine knapp 250 Millionen Jahre alte, flach überflutete Sandebene, von Klüften in Platten zerteilt und vom Gras nach und nach zugewachsen.

2.144 mkm 2,5

Rote Schichten

Rot unter Grau

Rot unter Grau

Die Rinne hat sich genau in das rote Paket gegraben: unter den hellgrauen Dolomitwänden liegt weinrot gebanktes Gestein, dazwischen graugrüne Bänder.

2.154 mkm 2,5

Rote Schichten

Aufgestellte Platten

Aufgestellte Platten

Am Steigrand steht das Paket offen da: dünne, flechtenüberzogene Platten, die schräg aus dem Hang stechen wie aufgestellte Buchseiten, dazwischen weichere Lagen, die zurückgewittert sind und den Bänken darüber die Auflage wegnehmen. Über den ganzen Aufschluss stehen die Platten gleich schräg.

2.177 mkm 2,6

Rote Schichten

Farbige Wellenrippeln

Farbige Wellenrippeln

Wegen der grünen Platte im Schutt neben dem Weg bin ich stehen geblieben: ringsum rotbraunes Plattenmaterial, mittendrin ein blassgrüner Brocken, und beide tragen dieselbe Wellenrippelung. Übereinander gelegen sind sie hier nie, der Hang hat sie nur zusammengetragen — es sind zwei verschiedene Mitglieder derselben Formation.

2.218 mkm 3,0

Zum Wandfuß

Auf der Moräne

Auf der Moräne

Mit dem Roten ist es vorbei, hier steht überhaupt kein Fels mehr an: kartiert ist Quartär, glaziale Ablagerung, till indifferenziato. Die hellen Dolomitblöcke sitzen einzeln in der Wiese verstreut, nicht als geschlossene Halde unter einer Wand — daran unterscheidet man Moränenmaterial von Sturzschutt. Rechts über den Hang ziehen zwei dünne Drähte herunter, eine Materialseilbahn, die von südlich des Passo Rolle heraufkommt.

2.294 mkm 3,8

Einstieg

Bolver Lugli

Bolver Lugli

Am Wandfuß auf 2.294 m ist zwischen dem Roten unten und dem Dolomit darüber nur mehr ein schmales Zwischenpaket übrig, in der Karte als Anis-Komplex zusammengefasst. Angeschraubt ist dort die Tafel zum fünfzigsten Jahrestag: Via Ferrata dedicata a Bolver Lugli, 1970–2020, daneben sein Porträt und die Jahreszahlen 1915–1968 — die Eröffnung hat der Notar aus Mestre um zwei Jahre nicht mehr erlebt. Gebaut haben die Ferrata die Aquile di San Martino, die Bergführer von San Martino di Castrozza, bezahlt hat sie seine Frau Nerina; 1999 und zuletzt Anfang 2016 wurde neu ausgerüstet, entsprechend ordentlich ist das Material. Unten auf der Tafel steht: „Quassù non vivo in me, ma divento parte di ciò che mi circonda“ — hier oben lebe ich nicht in mir, sondern werde Teil dessen, was mich umgibt.

2.618 mkm 4,6

Ferrata Bolver-Lugli

Anderes Gestein

Anderes Gestein

Ab dem Wandfuß steht der Schlerndolomit an — nach dem dünnplattigen Roten von unten ein völlig anderer Stein, ohne Bankung, an der sich etwas ablesen ließe. Ein einzelner Trittbügel steckt in der Platte, sonst nimmt man, was der Fels hergibt.

2.784 mkm 5,1

Ferrata Bolver-Lugli

Zwischen zwei Rippen

Zwischen zwei Rippen

Auf halber Höhe geht zwischen zwei Felsrippen der Blick hinaus auf die Pale di San Martino, rechts fällt es weit ins Tal ab. Der Fels neben dem Seil ist von senkrechten Rillen überzogen, den Bahnen, die das Wasser bei jedem Regen wieder nimmt. Für halb zwei stehen die Quellwolken schon ordentlich hoch.

2.913 mkm 5,4

Ferrata Bolver-Lugli

Sechshundert Meter weiter oben

Sechshundert Meter weiter oben

Gut sechshundert Meter über dem Einstieg dieselbe Richtung, nur mehr davon: vorne die Türme, an steilen Klüften in einzelne Zacken zerlegt, dahinter die helle, flach geneigte Fläche des Altopiano, auf die es gleich hinausgeht, und rechts unten das grüne Tal. Vom Wandfuß, an dem ich vor gut anderthalb Stunden gestanden bin, ist nichts mehr auszumachen.

2.939 mkm 5,6

Hochplateau

Über der Kante

Über der Kante

Hinter der letzten steilen Stufe legt sich das Gelände flach hin: ein weites, helles Kar, in der Mitte ein Felszahn, der als einziger stehen geblieben ist. Was hier unter den Schuhen liegt, ist Hangschutt — die Karte führt den ganzen Streifen bis zum Biwak als Deposito di versante, und man merkt es bei jedem Schritt. Dahinter beginnt das eigentliche Plateau mit seinen runden, hellgrauen Buckeln.

2.972 mkm 5,7

Hochplateau

Steinmann statt Weg

Steinmann statt Weg

Ab hier markieren Steinmänner die Linie, ein getretener Weg entsteht auf blankem Fels ohnehin nicht. Das Altopiano delle Pale di San Martino ist mit rund fünfzig Quadratkilometern zwischen 2.500 und 2.800 m die größte Hochfläche der Dolomiten, verkarstet und praktisch ohne Bewuchs. Die Erläuterungen zum Kartenblatt halten fest, dass die Oberfläche durchgehend Schlerndolomit ist, keine andere Einheit — die gerundeten Buckel und Wannen sind reine Lösungsformen, keine Schichtstufen.

2.972 mkm 5,7

Hochplateau

Der Rest der Fradusta

Der Rest der Fradusta

Gegenüber, in der nordseitigen Mulde unter dem flachen Deckel der Cima della Fradusta, liegt der Fradusta-Gletscher. Dass das kein Altschneefleck ist, sieht man an der Oberfläche: bogenförmige Bänder und dunkle Schmutzlagen ziehen quer durch den Körper, während die weißen Streifen weiter links schlicht auf Schichtbändern liegen und keinerlei Struktur zeigen. In der Literatur steht er für das frühe 20. Jahrhundert mit rund hundert Hektar, 1994 mit gut zwanzig, heute mit etwa zwei — die Zahlen schwanken je nach Quelle, die Richtung nicht.

2.974 mkm 5,7

Biwak

Gelbe Kiste im Karst

Gelbe Kiste im Karst

Das Bivacco Fiamme Gialle steht seit dem 13. Oktober 2025 hier, per Hubschrauber an seinen Platz gesetzt, als Ersatz für den Vorgängerbau — an diesem Tag also neun Monate alt. Daneben eine freigeräumte Fläche als Landeplatz, das H gelb auf den Fels gemalt, der Ring aus gesetzten Steinen. Das Gelb ist übrigens keine Signalfarbe, sondern Wappenkunde: Betreiber ist die Guardia di Finanza, die am Passo Rolle ihre Alpinschule hat und im Gebirge auch Bergrettung fährt — ihr Beiname Fiamme Gialle heißt „gelbe Flammen“.

2.976 mkm 5,7

Biwak

Innen

Innen

Drinnen ist alles helles Fichtenholz, dreistöckige Pritschen mit Matratzen und gefalteten Wolldecken, an der Stirnwand eine Tafel mit Karte. Die runden Bullaugen sitzen so, dass jede Etage ihr eigenes Stück Fels zum Hinausschauen hat. Dem Bau sieht man den bisherigen Betrieb nicht an, und Solarpaneele liegen auch am Dach.

2.976 mkm 5,9

Biwak

Durchs fünfeckige Fenster

Durchs fünfeckige Fenster

Das große Fenster an der Stirnseite ist fünfeckig — es hat den Umriss des Hauses, in dem es sitzt. Davor ein kleiner Tisch mit zwei Bänken, dahinter der Landeplatz und das Plateau bis zu den Zacken am Rand.

3.007 mkm 6,5

Zum Gipfel

Der gelbe Punkt

Der gelbe Punkt

Eine knappe halbe Stunde später ist vom Biwak nur noch ein gelber Punkt auf der Grathöhe übrig. Erst daran bekommt die Fläche, über die man hier geht, ihren Maßstab.

3.069 mkm 6,8

Zum Gipfel

Il Nuvolo

Il Nuvolo

Ein kurzer Abstecher weg von der Hauptroute auf die Kuppe Il Nuvolo (3.070 m), obendrauf ein grober Blockhaufen als Markierung. Der Name heißt „die Wolke“, und die Wolken haben das an diesem Nachmittag als Aufforderung verstanden — über dem Grat zum Hauptgipfel wurde es sichtlich dichter.

3.041 mkm 6,9

Zum Gipfel

Schutt über Eis

Schutt über Eis

Vom Grat fällt ein weites Becken ab, das auf den ersten Blick nur aus Schutt besteht. Das Eis steckt darunter und kommt erst am Rand heraus, wo die Auflage abrutscht: rechts unten liegt es offen, gebändert und mit Schmutzlagen. Unter einer ausreichend mächtigen Schuttdecke hält es sich deutlich länger als im Freien daneben. Auf den geologischen Karten steht hier nur Schutt — im Gletscherkataster dagegen sind für diese Ecke gleich mehrere kleine Eiskörper verzeichnet, ein paar Hektar groß und als mehrjähriges Firneis eingestuft. Was da unten durchschaut, ist also kein Rest vom letzten Winter.

3.177 mkm 7,3

Zum Gipfel

Die Rostspur

Die Rostspur

Quer über die graue Wand zieht ein schmales rostbraunes Band, ein zweites, blasseres läuft ein Stück daneben. Dazu folgt das Band keiner Schichtfläche, sondern einer schmalen Rinne zwischen zwei Rippen, also einem Wasserweg. Genau daran unterscheidet man die beiden Fälle im Gelände: gefärbtes Gestein hält sich an die Schichtung, eine Fe-Mn-Oxidkruste an den Weg, den das Wasser nimmt.

3.176 mkm 7,3

Zum Gipfel

Spalten an der Abrisskante

Spalten an der Abrisskante

Der Travignolo-Gletscher aus der Nähe: oben an der Abrisskante klaffen Spalten. Schnee reißt nicht auf, Eis, das sich bewegt, schon.

3.183 mkm 7,3

Zum Gipfel

Kein Kletterberg

Kein Kletterberg

Als Kletterziel interessiert diese Wand trotzdem niemanden: Die Vezzana gilt als brüchig, ihr Ruf hängt an den beiden Normalwegen und an der Via Ferrata.

3.195 mkm 7,5

Gipfel

Madonna

Madonna

Am Gipfel steht eine kleine Madonna auf einem Sockel aus hellen Dolomitblöcken. Hinter ihr ist der Himmel schon dunkel. Außer ihr und mir war niemand da.

3.195 mkm 7,5

Gipfel

Höchster Punkt der Pala

Höchster Punkt der Pala

3.192 m, höher wird es in der Pala-Gruppe nicht. Das Kreuz ist ein rotes Stahlrohr mit einem Querholz, mit Draht angebunden. Sieben Minuten später war ich wieder unterwegs.

3.166 mkm 7,6

Abstieg

Sieben Minuten später

Sieben Minuten später

So sieht es aus, kaum dass ich Richtung Weg 716 unterwegs bin. Vorher standen dort normale weiße Wolken, jetzt liegt eine dunkle Bank quer über dem Tal — für den ganzen Wechsel keine fünfzehn Minuten.

2.850 mkm 8,6

Abstieg

In die Rinne

In die Rinne

Der Beginn der Rinne Richtung Passo Bettega, markiert mit roten Strichen auf zwei Blöcken. Gegenüber steckt das Plateau schon unter der Wolke.

2.625 mkm 10,2

Wettersturz

Die Wand führt Wasser

Die Wand führt Wasser

Die Stimmung wurde düster. Zwischen den ersten Tropfen und den ersten Rinnsalen lagen keine paar Minuten: jede Rinne führt Wasser.

2.625 mkm 10,2

Wettersturz

Weiß auf Weiß

Weiß auf Weiß

Kurz darauf Hagel. Die Körner decken den Schotterweg zu. Unglaublich, wie schnell es so kalt werden kann.

Ohne Bilder

Der Abstieg, den es nicht auf Bildern gibt

Ab hier ließ sich das Handy nicht mehr bedienen. Ein nasser Touchscreen reagiert nicht, und Trockenwischen war aussichtslos — jeder Fetzen war in Sekunden selbst durchnässt. So etwas hatte ich noch nie. Die fehlenden Fotos sind dabei das kleinere Problem; mit dem Handy war auch die Tourenapp weg, also genau die Navigation, die man braucht, wenn man bei Gewitter zügig aus dem Gelände will. Wie ich das künftig löse, muss ich mir noch überlegen.

Zur Wahl standen drei Abstiege. Der schnellste wäre über die Via Ferrata gegangen, bei Blitzschlag die schlechteste Variante davon — man hängt dort am Stahlseil. Blieben der Weg, den ich gehen wollte, und der deutlich größere Bogen nach links zur Hütte. Der Weg, den ich gehen wollte, war gesperrt: unterhalb vom Passo Bettega der Steig, der geradeaus hinunterzieht statt links zur Hütte abzubiegen. Auf den Karten trägt er keine Nummer und steht nur als gestrichelte Linie. Vor mir ein eindeutiges Sperrschild, und warum gesperrt wurde, stand nirgends.

Ich habe ihn trotzdem genommen — in der Annahme, es sei ein Felssturz oder eine Stelle, die schwieriger geworden ist und sich überklettern lässt.

Der Grund kam kurz darauf: Über den Fels liefen Bäche. Der Steig zieht streckenweise zwischen Felsen durch, und genau dort lief das Wasser, an Stellen, an denen bei trockenem Wetter nichts darauf hindeutet. Ein Stück bin ich mitten im Wasser abgestiegen. Die größte Stelle war ein Wasserfall von eineinhalb bis zwei Metern Breite quer über den Weg: dahinter kein Durchkommen, blieb nur außen vorbei, was seinerseits nicht ohne war. Warum der Steig gesperrt ist, war mir danach klar. Für mich war es trotzdem die richtige Entscheidung — nur weiß man das vorher eben nicht.

Geregnet und gewittert hat es bis kurz vors Auto.

2.229 mkm 13,1

Rückweg

Der erste in den Dolomiten

Der erste in den Dolomiten

Kurz vor dem Parkplatz, mein erster Alpensalamander in den Dolomiten. Er ist komplett schwarz — fantastische Tiere. Vorher war mir noch ein Steinbock begegnet, in fast fünfzehn Jahren Dolomiten erst der zweite, weiter unten Rehe und schwarze Pferde — alle drei ohne Bild. Bei dem hier hat es nach einigem Hin und Her dann doch noch geklappt.

Ende des Logbucheintrags

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